2005 / 2006 London

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31.12. Ankunft, allg. Stadtbummel 01.01. Neujahrsparade, Abflug Fazit

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über Silvester in der Stadt der roten Doppeldeckerbusse

31.12.2005 London: Oxford Street - Hyde Park - Kensington - Croydon - Docklands - Tower Bridge

Schnee in Düsseldorf Ein wirklich seltenes Ereignis! Und dann ausgerechnet, wenn ich es eilig habe, um pünktlich zum Bahnhof zu kommen und keine Schlitterpartie auf dem Gehweg brauche. Aufgenommen am: 31.12.2005 Schnee in DüsseldorfSilvester – och bitte nicht schon wieder zu Hause. Ich möchte endlich auch mal bei einem großen Feuerwerk dabei sein, wie man es sonst nur aus dem Fernsehen kennt, wenn kurz vor Mitternacht die Sekunden heruntergezählt werden.
Meine Wahl fiel auf London. Nicht viel, nur eine Nacht, Silvestermorgen hin und am Neujahrstag bereits wieder zurück.

So kommt es, dass ich mich mal wieder in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett quälen darf, natürlich in alter Langschläfermanier bis zur letzten Minute ausgereizt, denn man weiß ja schließlich, wie lange man braucht, um das Haus zu verlassen und zum Bahnhof zu laufen. Die Rechnung wäre auch aufgegangen, wenn nur nicht ausgerechnet heute einer der seltenen Düsseldorfer Schneetage wäre. Auf den Gehwegen liegt eine geschlossene Schneedecke, auf der sich noch recht gut laufen lässt, nur auf der Straße und auf Überführungen ist der Matsch schon ziemlich glatt.
Schnee auf dem Flughafen Köln/Bonn Aufgenommen am: 31.12.2005 Schnee auf dem Flughafen Köln/BonnTrotz aller Umstände erreiche ich den Flughafen pünktlich, der auch noch recht verschneit im Laternenschein liegt. Still und verschlafen. Die meisten Urlauber sind wohl schon über die Weihnachtsfeiertage abgehauen.
Ich staune nicht schlecht: Das Rollfeld ist von einer geschlossenen Schneedecke bedeckt, nur die Verkehrswege sind schon geräumt. Dieses Wintermärchen lasse ich nun (fast leider) hinter mir, denn London hat so gut wie nie Schnee, sogar noch weniger als Düsseldorf.

Den Flug selbst verschlafe ich ausnahmsweise einmal komplett, ein Phänomen, dass ich mir schon auf so mancher USA Reise gewünscht hätte. Auch für die Einreise brauche ich nicht viel Zeit und so erreiche ich noch mein Anschlussbett – äh – Zug ins Zentrum der britischen Hauptstadt. Hätte nie gedacht, dass ich den noch bekommen würde, denn normalerweise stehe ich immer in langen Schlangen vor der Passkontrolle.
So langsam kommt der nächste Langschläfer aus seinem Tiefschlaf, die Sonne, und beschert uns einen gelungenen Morgen auf dem Weg in die Stadt. Im Zug wird Kaffee serviert und man hört das typische Zeitungsrascheln. Ich freue mich insgeheim, dass ich heute nicht zur arbeitenden Bevölkerung, sondern mal wieder zu den Urlaubern gehöre. Dieses Jahr will ich mit Arbeit nichts mehr am Hut haben.

Oxford Street Die Einkaufsmeile im Herzen von London, die Oxford Street, ist noch immer von den zurückliegenden Festtagen geschmückt. Aufgenommen am: 31.12.2005 Oxford StreetAn der Station Liverpool Street wechsle ich in die U-Bahn und rausche der Oxford Street entgegen. Ich bin heiß darauf, noch mit möglichst vielen alten Doppeldeckerbussen zu fahren, bevor diese aus dem Verkehr genommen werden. Doch scheinbar ging das Ausmustern schneller als gedacht. Noch vor zwei Monaten konnte man die Oxford Street vor lauter alten Bussen nicht erkennen, doch heute begegnet mir kein einziger. Eine gewisse Enttäuschung lässt sich nicht verbergen. Da hilft auch der schöne Sonnenschein nichts, eine willkommene Abwechslung zum sonst eher bedeckten oder gar feuchten Londoner Wetter.

nordöstliche Ecke des Hyde Parks Im Hintergrund kann man noch den Marble Arch erkennen. Aufgenommen am: 31.12.2005 nordöstliche Ecke des Hyde ParksAm Marble Arch vorbei geht es durch den Hyde Park. Eine Gruppe Jogger streitet noch mit einer Horde Enten und Gänse um das Wegerecht der typisch britisch schnurgerade angelegten Wege, während ich mich von einigen Großstadtmotiven inspirieren lasse. Spiegelndes Sonnenlicht auf den fernen Hochhäusern rings um den sonst eher ruhigen Park.
Ich lasse mich treiben, meine mitgebrachten Butterbrote in den Magen versinken und mich mal überraschen, an welcher Ecke ich dieses Mal den Park verlassen werde. Es geht weniger darum, sich irgendwelche Sehenswürdigkeiten anzusehen, sondern vielmehr das Flair und die Eigenarten einer anderen Stadt einzufangen.
Einkaufsstraße in Kensington Aufgenommen am: 31.12.2005 Einkaufsstraße in KensingtonBesonders schön: Der Stadtteil Kensington. Man könnte sagen, es hat Charme. Etwas verstaubt zwar, aber würde mir hier jemand eine Wohnung schenken, ich würde sie dankbar annehmen. An den Hauptstraßen geschäftiges Treiben, dahinter Ruhe, Abgeschiedenheit und der Charme vergangener Tage. Auch die U-Bahn Station Earl’s Court, wo sich die District Linie in alle möglichen Äste verzweigt, versprüht mit ihren altmodischen Zielanzeigen Nostalgie pur. Da wirken selbst die in die Jahre gekommenen U-Bahn-Wagen fast schon zu modern.

Wohnsiedlung in Kensington Aufgenommen am: 31.12.2005 Wohnsiedlung in KensingtonDen Namen "Underground" verdient die U-Bahn wirklich nur im Herzen der Stadt. In den Außenbezirken verläuft die Trasse meist oberirdisch, sowie hier auf dem Weg in Richtung Wimbledon. Wir fahren auf einem Viadukt hoch über den Straßen. Bei dem Anblick fällt mir spontan der Film "Ein Fisch namens Wanda" ein, wo sie ihren Fluchtwagen und die Beute in einer Abstellkammer unter einem dieser Viaduktbögen unterbringen. Ich frage mich, ob das vielleicht hier gewesen sein könnte, aber solche Bauten gibt’s wohl hundertfach in ganz London.

Croydon Central Aufgenommen am: 31.12.2005 Croydon CentralIn Wimbledon setze ich meine Fahrt in der Straßenbahn fort. Zuerst geht es im wahrsten Sinne des Wortes querfeldein. Wenn man es nicht besser wüsste, man könnte glauben, meilenweit von der Zivilisation entfernt zu sein.
In Croydon wird es dann schon wieder hektischer, als wir durch die gut gefüllte Fußgängerzone fahren. Man merkt, es ist Zeit, noch letzte Vorräte für Partys einzukaufen, die heute abend steigen werden. Ich schlendere über den Markt und finde es einfach nur schön hier. Wo gibt’s denn in Deutschland noch einen richtigen Straßenmarkt? Ja, so langsam kehren solche Märkte in die Stadtteile zurück, zumindest in Düsseldorf, aber die kommen bei weitem nicht an die Ausmaße dieses Markts heran. Auch in Notting Hill bin ich vor Jahren schon einmal über so einen Riesenmarkt gelaufen.

Straßenbahn in Croydon Aufgenommen am: 31.12.2005 Straßenbahn in CroydonIch fahre zurück zur Endstation Wimbledon und stecke sprichwörtlich mitten in der Pampa fest. Es fehlen nur noch wenige Meter bis zum Bahnhof, da stoppt unsere Bahn. Es vergehen einige Minuten, da werden wir von unserem Fahrer über die etwas ungewöhnlich Lage aufgeklärt: In der eingleisigen Wendeanlage steht noch die Vorgängerbahn. Der Fahrer hat sich nach allen Regeln der Kunst schlichtweg aus seinem Führerstand ausgesperrt und musste nun auf uns warten. Mit dem Schlüssel von unserem Fahrer ist er nun wieder in seine Bahn zurückgekehrt und wird nun hoffentlich bald abfahren und uns den Weg frei machen. Und natürlich den Schlüssel zurückgeben, sonst stehen wir noch morgen hier.
Die Geschichte sorgt jedenfalls für so manches Schmunzeln. Auf einmal sitzt man nicht mehr anonym in einer großstädtischen Straßenbahn, sondern die Leute tauen auf, als ob man auf Klassenfahrt wäre. Auf einmal reden sie miteinander, es wird gescherzt und gelacht.

Docklands Light Railway Die Docklands sind ein ehemaliges Hafengebiet, wo man nun eine Bürostadt hochgezogen hat. Zwischen den Häuserschluchten verkehrt die Docklands Light Railway (DLR). Aufgenommen am: 31.12.2005 Docklands Light RailwayVon der U-Bahn Fahrt zurück in die Stadt ist nichts vergleichbar aufregendes zu erzählen, höchstens, dass ich mich ständig aufrege, wie weit doch die Wege an einem Umsteigebahnhof sind. Hier lohnt sich fast schon ein Pendelverkehr zwischen den verschiedenen Bahnsteigen.
Docklands Die Docklands sind ein ehemaliges Hafengebiet, wo man nun eine Bürostadt hochgezogen hat. Aufgenommen am: 31.12.2005 Docklands Mit der Docklands Light Railway verlasse ich den unterirdischen Schweizer Käse und fahre oberirdisch weiter, wie schon der Name der Bahn vermuten lässt, in die Docklands, eine neugebaute Bürostadt. Die Bahnen fahren automatisch oder besser, sie sollten automatisch fahren, denn jedes Mal, wenn ich mitfahre, turnt einer der Schaffner am vorderen Fenster herum, haut wie wild auf irgendwelchen Knöpfen herum und versperrt die Sicht auf die schönen Wolkenkratzer.
Erst im zweiten Anlauf habe ich endlich freie Sicht und könnte Fotos machen, doch jetzt ist es schon wieder zu dunkel. Der große Nachteil des Winters. Einen Rest Sonnenuntergang kann ich immerhin an Big Ben und den Houses of Parliament einfangen.

Big Ben und Houses of Parliament Aufgenommen am: 31.12.2005 Big Ben und Houses of ParliamentEs wird Zeit, den lästigen Rucksack loszuwerden. Auf dem Stadtplan sieht mein Hotel so nah aus, doch der Weg durch die dunklen Londoner Straßen zieht sich wie Gummi in die Länge. Sicherheitsbedenken habe ich aber keine, denn hier laufen auch noch Mütter mit Kinder seelenruhig entlang.
Ich erreiche meine Straße, die Belgrave Road, doch ich kann einfach nicht die richtige Hausnummer finden. Das kann doch nicht wahr sein. So viele Hotels, einige erbärmlich, andere durchaus annehmbar, nur meins ist nicht dabei. Erst als ich zum Spaß mal ein wenig weiter laufen, erkenne ich, dass die Belgrave Road kurze Zeit ihren Namen in Warwick Square ändert und dahinter wieder Belgrave Road heißt.
Sprach ich doch eben noch von annehmbaren Hotels, also meins gehört nicht unbedingt dazu, aber für eine Nacht wird’s schon gehen. Das Zimmer fällt zwar schon buchstäblich auseinander, aber so lange hier keine Wettrennen unter Krabbeltieren ausgetragen werden...

The Tower Bridge Aufgenommen am: 31.12.2005 The Tower BridgeWie ein Schild es mir gebietet, gebe ich den Zimmerschlüssel vor Verlassen wieder beim Portier ab und überbrücke die Zeit bis Mitternacht mit Busfahren. Sehr viel Busfahren. Dabei finde ich wenigstens auch die beiden Linien heraus, wo sie für die Touristen noch ein paar alte Busse einsetzen, nur leider nicht mehr so spät abends. Die Nummern kann ich noch lesen, 9 und 15, doch als Ziel wird immer "Not in Service" angegeben. Wenn nur nicht das Licht in den Wagen ausgefallen wäre, ich hätte mir ja gerne mal angesehen, wo denn dieser seltsame Ort liegt.

Es ist bereits nach 23 Uhr und so langsam sollte man sich echt entscheiden, wo man sich für Mitternacht aufstellt. Meine Wahl fällt auf das südliche Themse-Ufer unweit der Tower Bridge. Die Menge zählt bereits die letzten Sekunden des alten Jahres runter, da ist schon die erste Feuerwerksrakete hinter dem Londoner Wahrzeichen zu sehen.
Ausflugsschiff auf der Themse Aufgenommen am: 01.01.2006 Ausflugsschiff auf der Themse 0 Uhr – frohes neues Jahr! Die gesamte Menge stimmt ein gemeinsames ,nehmt Abschied Brüder’ an und prostet sich gegenseitig zu. Wild fremde Menschen liegen sich in den Armen. Das neue Jahr wird ausgelassen gefeiert, als ob jeder einzelne gerade eine Million im Lotto gewonnen hätte. Einzig der Himmel bleibt nahezu dunkel. Nach der ersten zu früh gestarteten Rakete kommt nach 10 Minuten noch eine zweite, doch das war es auch schon.
Hinten in der Innenstadt, ich tippe mal auf die Gegend um St. Paul, sieht man die Fassaden der Häuser hell aufleuchten. Auch hinter mir, hinter den Häusern tobt sich ein wildes Feuerwerk aus, müsste etwa am London Eye gezündet worden sein. Tja, und ich gucke sozusagen in die Röhre.

geöffnete Tower Bridge Kurz nach Mitternacht öffnet sich die Tower Bridge, damit eine Reihe Partyboote passieren kann. Aufgenommen am: 01.01.2006 geöffnete Tower BridgeDafür bietet sich ein anderer, nicht alltäglicher Anblick: Die Tower Bridge wird geöffnet und etwa 5 Ausflugsschiffe mit Partygästen an Bord passieren die Brücke. Wenigstens ein kleines Highlight im neuen Jahr, das nun auch typisch britisch beginnt: Es fängt an zu regnen.
Diese Dusche kann mich aber nicht davon abhalten, noch etwas von der Partystimmung einzufangen. Ich folge dem Themse Ufer bis etwa Charing Cross und habe schon einen Ohrwurm von den ständigen ,Happy New Year’ Rufen.
Die Uhr schlägt fast 3, als ich zum Hotel zurückkehre und den Nachtportier bei seinem Schlaf störe. Ich rufe, ich klingele, es kostet mich richtig Mühe, den Typ wach zu kriegen, der keine 2 Meter vor mir auf einer Coach döst. Zuerst kapiert er gar nicht, was ich eigentlich von ihm will und dann gibt er mir doch glatt den falschen Schlüssel, obwohl ich ihm eine Hotelquittung mit der korrekten Zimmernummer entgegen halte. Sagt mal, wie viel hat der gestern abend getrunken?

Übernachtung: Easton Hotel Victoria - Pimlico, LondonBewertung: hat mir überhaupt nicht zugesagt Bewertungsnote 5
Kommentar: Nachtportier kaum zu wecken, gibt falsche Schlüssel heraus = unsicher, was im Zimmer zu lassen
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