2004 Westkanada

Startseite > Reiseberichte > Kanada > 2004 Westkanada > 25.05. > Hot Springs, Courtenay

Übersicht:

Die Route auf der Karte Kosten Fotogalerie

Tagesberichte:

16.05. Ankunft Calgary 17.05. Calgary: Heritage Park 18.05. > Kamloops 19.05. > Vancouver 20.05. Vancouver: Capilano S.B. 21.05. Vancouver: Stanley Park 22.05. > Victoria 23.05. Victoria: Butchard Gardens 24.05. > Chemainus, Ucluelet 25.05. > Hot Springs, Courtenay 26.05. > Sunshine C, Squamish 27.05. > Nairn Falls, Pemberton 28.05. > Lillooet, Cottonwood 29.05. Barkerville, Bowron Lake 30.05. > Clearwater 31.05. Wells Gray PP 01.06. > Mount Robson, Jasper 02.06. Jasper NP 03.06. > Icefields Parkway, Banff 04.06. Lake Louise & Yoho NP 05.06. Banff NP: Paradise Valley 06.06. > Calgary, Abflug Fazit

Downloads:

druckerfreundliche Version
Verbesserungsvorschläge?
26.05. »

Berge, Städte, Abenteuer... - in 3 Wochen durch Kanadas Westen

25.05.2004 Ucluelet - Tofino - Hot Springs Cove - Tofino - Courtenay (282 km)

Als ich das Esszimmer betrete, ist Judith schon längst mit ihrem Haushalt beschäftigt. Auf dem Tisch stehen für mich eine Schale Obstsalat, ein paar frische Scheiben Toasts und eine Reihe Muffins bereit, eben das kontinentale Frühstück, das man auch in einem guten Motel erwarten kann.
Das einzige, was dieses Bed & Breakfast neben den gemütlich eingerichteten Zimmern von einem Motel abheben, ist die persönliche Betreuung. Sie hat die Nacht oft an meinen bevorstehenden Flug zur Hot Springs Cove gedacht und ist sich jetzt sicher, dass es dort keinen Flughafen gibt. Ob ich denn auch ganz sicher sei, dass ich mit einem Flugzeug dorthin will? „Mit einem Wasserflugzeug“ ergänze ich. Doch das wirft neue Probleme auf. Wahrscheinlich muss ich dann nicht zum Flughafen auf halber Strecke nach Tofino, sondern zum Hafen in Tofino. Das ist ein Problem, weil es schon so spät ist und die weitere Anfahrt nicht eingeplant ist.

Wasserflugzeug in Tofino Mit diesem Vogel werden wir gleich zur Hot Springs Cove starten. Aufgenommen am: 25.05.2004 Wasserflugzeug in TofinoIch lasse mir die restlichen mächtigen Muffins einpacken, die ich nun wirklich in der Eile nicht mehr herunterbekomme, klemme mich hinters Lenkrad und fahre los. Judith verspricht, noch mal in Tofino anzurufen und die Herrschaften um etwas Geduld zu bitten. Ich werde gleich da sein.
Etwa zehn nach neun erreiche ich den Hafen und finde auch recht schnell den Steg mit den Wasserflugzeugen – nur keinen Parkplatz. Es kostet mich weitere 5 Minuten, bis ich einen freien Platz finden kann, auf dem man immerhin 4 Stunden parken darf.
Ich beeile mich, zum Steg hinunter zu laufen und hoffe, dass meine Mitreisenden nicht allzu böse auf mich sind. Und ich habe Glück: Niemand wirft mir etwas vor, denn es ist noch niemand da. Ich bin der erste! Damit habe ich nun überhaupt nicht mehr gerechnet.
Nach und nach trudeln die beiden Paare ein, die mit in die Abgelegenheit fliegen werden. Wie sich herausstellt, sind beide Paare frisch verheiratet und auf Hochzeitsreise. Die einen kommen aus Seattle, die anderen aus Belgien. Nachdem wir nun den offiziellen Teil hinter uns gebracht haben, können wir uns ins Vergnügen stürzen. Bleibt nur noch die Sitzplatzfrage ungeklärt. Beide Paare wollen am liebsten nebeneinander sitzen, womit für mich nur der Sitz neben dem Piloten übrig bleibt. Wisst ihr, dass ist mir nicht einmal unangenehm.

Dann heißt es leinen los und wie ein gewöhnliches Schiff treiben wir auf dem Wasser dahin zur „Startbahn“ und wenige Minuten später befinden wir uns über dem Pazifik. Neben uns zieht die Küste vorbei, zur anderen Seite nichts als der endlose Ozean. Ab und an nehmen wir eine kleine Abkürzung über eine Insel.
Mit einem Mal fliegt unser Pilot eine Rechtskurve und ich habe mich schon damit abgefunden, dass der Flug nur so kurz ist und wir nun zur Landung ansetzen. Doch er fliegt weiter rechts herum, so dass wir praktisch umgedreht haben. Er wird schon wissen, was er tut. Und er fliegt den Bogen weiter. Jetzt begreife ich endlich, dass er scheinbar etwas im Meer umkreist. Und tatsächlich: da unten sind zwei helle Flecken im Wasser und aus einem steigt gerade eine Wasserfontäne empor. Es sind Wale! Und wie groß sie von hier oben aussehen. Die Belgier haben bereits gestern an einer Walsafari teilgenommen, wo sie immer nur Schwanzflossen und einige Fontänen zu Gesicht bekamen. Selbst die sind von der Vogelperspektive begeistert, die einem diese Kolosse des Meeres in voller Länge zeigt.

Hot Springs Cove Hot Springs Cove ist nur per Boot oder Wasserflugzeug zu erreichen. Mitten im Wald strömt heißes Wasser aus einer Quelle. Aufgenommen am: 25.05.2004 Hot Springs CoveDie Insel, auf der die Hot Springs Cove liegt, ist weit abgelegen von der Zivilisation. Dieser Ort ist nur durch Boote oder Wasserflugzeuge erreichbar. Vom Anlegesteg müssen wir durch den Regenwald noch ein halbe Stunde über einen Bretterweg zurücklegen, sozusagen als Vorfreude auf das angenehm heiße Bad. Irgendwie ist das witzig. Wer baut schon einen zwei Kilometer Brettersteg quer durch einen Wald?
Als dann endlich Rucksäcke, Hosen und Hemden rechts und links neben dem Weg liegen, kann es nicht mehr weit sein. Wir befreien uns ebenfalls von allem überflüssigen Stoff und gesellen uns zu den Badenden ins heiße Wasser. Man mag es zuerst nicht glauben, wie warm das Wasser ist.

Viele Steindämme stauen den Bach, der von den heißen Quellen gespeist wird, und bilden somit einige Planschbecken. Das Wasser ist aber so heiß, dass man sich kaum über längere Zeit mit dem gesamten Körper ins Wasser legen kann. Man muss eher einen Kompromiss eingehen zwischen dem warmen Wasser und der kalten Luft darüber.
Anfangs dachten wir noch, warum muss heute so ein schlechtes Wetter wieder aufziehen, doch beim zweiten Überlegen ist dies sogar die bessere Wahl: angenommen es wäre heiß und sonnig. Wo sollten wir uns dann abkühlen? Heute ist es kalt und diesig, wo können wir uns aufwärmen? Im Wasser. Also alles perfekt.

Als es dann wieder Zeit wird, sich umzuziehen und zum Steg aufzubrechen, beginnt es leicht zu regnen. Zuerst scherzen wir noch: „Es muss ja regnen, sonst wäre das hier kein Regenwald“, doch mit zunehmender Zeit auf den glitschigen Brettern wird es immer ungemütlicher. Der Regen wird immer stärker. Warum haben wir uns überhaupt abgetrocknet? Inzwischen sind wir wieder nass bis auf die Knochen.
Als wir endlich am Steg ankommen, ist kein Flugzeug in Sicht. Aus einem dort vor Anker liegenden Schiff ruft uns jemand zu, dass die in Tofino so schlechtes Wetter haben, dass sie nicht starten können. Wir sollen doch zu ihnen an Bord kommen und können uns am Kamin bei einer Tasse Tee aufwärmen und trocknen.
Rundflug mit dem Wasserflugzeug Mit diesem Vogel werden wir gleich zur Hot Springs Cove starten. Aufgenommen am: 25.05.2004 Rundflug mit dem WasserflugzeugYacht kann man dieses Schiff zwar nicht nennen, eher Fischkutter, doch von innen ist er liebevoll renoviert worden. Die Wände wurden mit Holz verkleidet, ein offener Kamin eingebaut, kuschelige Teppiche und ein großes Sofa hineingestellt und fertig ist das kleine Paradies.

Einige Zeit später klopft es draußen am Fenster. Unser Pilot sucht seine Besatzung und liefert ein paar Dinge an die Bootsbabysitter aus. Wie dicke Freunde hilft hier eine Hand der anderen. Und Zeit scheint auch nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Wenn ich nicht immer noch nass bis aufs letzte Hemd wäre, würde ich diesen zeitlosen Ort gerne näher kennen und schätzen lernen.
Doch die Zivilisation ruft wieder. Inzwischen steht mein Auto schon längst mehr als 4 Stunden auf dem Parkplatz und ich bin doch ein wenig froh, dass es immer noch dasteht. Wahrscheinlich ist ein Hauch von Zeitlosigkeit nach Tofino herübergeweht wurden.

Der Regen wird wieder stärker, so dass ich mich nun von jedem Gedanken an einem Zwischenstop bis Courtenay verabschiede. Eigentlich hatte ich die Cathedral Cove für heute vorgesehen, aber bei diesem Sauwetter...
Bis Port Albani fahre ich in meine Richtung mutterseelenallein. Nicht ein Auto, dass ich einhole und umgekehrt. Da merkt man mal wieder, wie sehr man hier doch am Ende der Welt angekommen ist.

In Courtenay finde ich im zweiten Anlauf das Beach House Bed & Breakfast, wo mich eine warme, freundliche Umgebung erwartet. Das Haus ist ein echtes Holzhaus, nicht sehr reich möbliert, aber doch warm und freundlich. Jeder Gast hat sein eigenes Schlafzimmer, doch alle sonstigen Einrichtungen wie Sitzecke, Fernseher und Bad teilt man sich mit den anderen. So kommt es, dass ich mich nach einer Runde Fernsehen zu den anderen geselle und ein wenig lese. Irgendwann bricht jemand die Stille und beginnt mit dem üblichen Smalltalk, der dann den Rest des Abends einnehmen wird. Es geht auf zehn Uhr zu, als ich mich in dem ungewöhnlich hohen Bett zur Ruhe begebe.

Übernachtung: The Beach House Bed & Breakfast - Courtenay, BCBewertung: Ausgezeichnet! Bewertungsnote 1
Kommentar: der Traum einer Holz-Blockhütte
zum Seitenanfang