2004 Städte im Osten der USA

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auf der Suche nach dem großen Weihnachtsbaum

26.11.2004 Chicago: Loop, Weihnachtsmarkt, Navy Pier, Magnificent Mile

Nachdem ich gestern in der Green Line Richtung Westen die Erfahrung gemacht habe, wie man sich als einziger Weiße in der Hochbahn fühlt, nehme ich mir heute doch lieber mal den Norden vor.
Gerade, als ich den Hörer an der Telefonzelle einhänge, von der ich mich nach Deutschland meldete, kommt auch schon die Purple Line Richtung Linden in die Station Clark/Lake gefahren. Heute ist Freitag, in meinem Urlaub der einzige Tag, an dem die Purple Line als Expresslinie bis nach Downtown fährt. Zu anderen Zeiten endet sie bereits an der Station Howard.

Chicago Loop Aufgenommen am: 28.11.2004 Chicago Loop Laut quietschend geht es um die engen Kurven im legendären Loop, wo die Hochbahn direkt über den Innenstadtstraßen fährt. Irgendwie erinnert mich das System stark an die Wuppertaler Schwebebahn: die schmalen Bahnsteige mit den Holzlatten, die engen Kurven, die Geräuschkulisse, die Unabhängigkeit vom übrigen Verkehr – einziger Unterschied ist die Tatsache, dass die Bahnen auf den Gleisen fahren. Meiner Meinung nach verschandelt die Bahn mit ihrem antiken Charakter aber nicht das Innenstadtbild, wie viele behaupten. Sie gehört einfach zu Chicago dazu wie die Cable Car zu San Francisco, was man auch am Namen für die Innenstadt erkennen kann: Loop. Die Bahn wird wegen ihrer Hochlage übrigens „Elevated Train“ oder einfach kurz „L“ genannt.
Loop Kreuzung Wells / Lake Das Herzstück der Chicagoer Hochbahn, an dieser Kreuzung treffen sich 4 Hochbahnlinien. Wir fahren gerade mit der Orange Line und biegen ab Richtung Clark/Lake. Aufgenommen am: 28.11.2004 Loop Kreuzung Wells / Lake Hinter der Station Washington/Wells gibt die Bahn ein wenig mehr Gas und rattert mit viel Schwung über die Niveaugleiche Kreuzung mit der Green Line. Dahinter geht es auf zweiter Ebene über den Michigan River und es eröffnen sich beste Aussichten auf die umliegenden Hochhäuser. Wir verlassen die Innenstadt.
Bis Armitage halten wir auffallend wenig, obwohl wir nicht gerade durch unbebautes Gelände fahren. Hinter Belmont fahren wir dann minutenlang auf den äußeren von vier Gleisen als Expresszug an sämtlichen Stationen vorbei und überholen so locker drei Züge der Red Line.

Um die Endstelle Linden liegt ein schönes Wohngebiet, dass mich irgendwie an meinen ersten Aufenthalt in den USA erinnert. Damals war ich als Austauschschüler bei einer Gastfamilie untergebracht.
Wohngebiet im Norden von Chicago Linden ist die nördliche Endstelle der Purple Line, die werktags zur Hauptverkehrszeit als Expresszug bis in die Innenstadt verkehrt. Aufgenommen am: 26.11.2004 Wohngebiet im Norden von Chicago Der Bürgersteig wird durch einen Grünstreifen von der Straße getrennt, der nun wie die meisten Vorgärten verschneit in der Sonne glänzt. Als ich so durch die Straßen schlendere, ärgert es mich, dass mich scheinbar jemand mit Schneebällen bewirft. Als ich mich zu dem Übeltäter umdrehe, sehe ich nur noch einen buschigen Schwanz in ein Loch im Baum verschwinden: ein Eichhörnchen hat auf der Flucht den Schnee von einem Ast über mir mit seinem dicken Schwanz heruntergeschubst.
An der nächsten Straßenecke liegen große Laubhaufen, daneben ein Halteverbotsschild, dass nur an bestimmten Tagen gilt: „No Standing at November 29, 30 and December 6, 7 – Leaf collecting“ und wehe, am letzten Termin hängt dann noch ein Blatt am Baum.

Christkindlmarkt in Chicago Hier versuchen die Amis, einen deutschen Weihnachtsmarkt zu imitieren: Mit Ständen aus Deutschland und sogar deutscher Weihnachtsmusik. Aufgenommen am: 26.11.2004 Christkindlmarkt in ChicagoZurück in der Innenstadt (natürlich wieder mit dem Expresszug), öffnen gerade die ersten Stände auf dem Christkindlmarkt, einer amerikanischen Kopie des gleichnamigen Markts aus Nürnberg. Bei Sauerkraut und Bratwurst, im Hintergrund die Klänge von „Lasst uns froh und munter sein“, stehen schon die ersten Amis vor den Buden und murmeln so etwas wie „ist das niedlich“. Meiner Meinung nach ist der Tannenbaum mit zu vielen Lichtern und Kugeln beschmückt, doch das ist eben typisch amerikanisch: So lange schmücken, bis auch die letzte grüne Nadel überdeckt ist.
Vor dem großen Kaufhaus Marshall Field & Co auf der State Street halten die kostenlosen Trolley Busse, die unter anderem zum Navy Pier fahren. Ich ändere meine Besichtigungspläne und beschließe, das Kaufhaus ist auch in der Dunkelheit noch sehr schön anzusehen und quetsche mich in den kleinen Bus, dessen Bankabstand nur Kindergartenkindern genügt. Ein paar Minuten später stehe ich im leichten Nieselregen, der auch für das Verschwinden des Restschnees verantwortlich sein wird, vor dem Eingang des Navy Piers. Mit dem Pier 39 in San Francisco möchte ich diesen Ort hier nicht wirklich vergleichen. Es fehlt dem Pier jegliches Flair und auch die Souvenirläden dürfen ihre Auslagen gerne behalten.
Als ich die Warteschlange an der Bushaltestelle sehe, entschließe ich mich, ein wenig zu Fuß zu laufen. Zuerst ein Stück die Promenadenstraße am Lake Michigan entlang Richtung Norden, dann querfeldein durch die Straßenschluchten, lande ich mehr durch Zufall auf der North Michigan Avenue, wegen den sündhaft teuren Geschäften auch Magnificent Mile genannt.

Und meine Güte, ist hier viel los. Die Autos stehen mehr als dass sie fahren und auch auf den Gehwegen schiebt sich eine Riesenmenschenmenge durch die Straßenschlucht.
Alle paar Meter steht jemand mit einer Glocke in der Hand und sammelt Spenden für verschiedene Wohltätigkeitsprojekte. In Hollywood-Streifen sind diese Leute immer als Weihnachtsmann verkleidet. Wieder eine Idealisierung, die mit der Realität nichts zu tun hat.
Was mir noch auffällt, diesmal aber positiv: In so gut wie keinem Geschäft werden die bekannten Weihnachtslieder rauf und runter gespielt, so wie es bei uns üblich ist. Das hätte ich echt nicht erwartet.
North Michigan Avenue 'Magnificent Mile' Nördlich des Chicago Rivers reiht sich auf der North Michigan Avenue eine Boutique an die nächste. Aufgenommen am: 26.11.2004 North Michigan Avenue 'Magnificent Mile'Wieder draußen auf der Straße, hat eine Spendensammlerin ihre Glocke gerade durch eine Trompete ersetzt und gibt ihr Bestes. Aus Höflichkeit frage ich besser vorher mal, um ich sie bei einem Ständchen filmen darf, was sie nach einigen Komplimenten wie „das war doch Spitze“ dann auch mit sich machen lässt.
Im letzten Gebäude vor der Brücke über den Michigan River kann man einem Radiomoderator bei seiner Arbeit zusehen. Das Tonstudio befindet sich im Erdgeschoss, natürlich schallisoliert. Die Radiosendung kann man über Lautsprecher mithören. Macht doch immer wieder Spaß, anderen Menschen bei der Arbeit zuzusehen.

Ich lande wieder vor Marshall Field & Co gegenüber dem Christkindl Markt. Nun ist wohl auch die richtige Zeit zum Shoppen gekommen. Draußen ist es inzwischen dunkel und wie ich schon vermutete, sieht das Kaufhaus auch zu dieser Zeit wunderschön aus, besonders die Dekoration, die in der riesigen Halle von der neunten Etage herabhängt.
Dass es zu dieser Jahreszeit bereits vor 17 Uhr dunkel wird, hält mich aber nicht von ein paar Fahrten mit der „L“ ab. Auf jedem Bahnsteig gibt es einen besonders ausgeleuchteten Bereich, der wohl das Sicherheitsgefühl erhöhen soll. Die hellen Lampen sind so intensiv, dass einem darunter sogar richtig warm werden kann. Erst später finde ich heraus, dass dies auch der eigentliche Zweck ist. Auf Schildern neben einem Schalter ist zu lesen „Heat available November to March“. Eine sinnvolle Einrichtung in einer Stadt, die nicht zu unrecht den Spitznamen „Windy City“ trägt. Nur neue Treppen sollten die sich mal zulegen, da es ziemlich schwierig ist, Schuhgröße 47 auf die schmalen Stufen zu parken.

Übernachtung: Club Quarters Central Loop - Chicago, ILBewertung: guter Durchschnitt Bewertungsnote 3
Kommentar: gute Verkehrsanbindung
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