Wache vor dem Buckingham Palast
Aufgenommen am: 24.10.2005
Am Hyde Park Corner sehe ich das Tageslicht und damit den Regen wieder. Meine Standardbegrüßungsrunde führt mich am Buckingham Palast vorbei, wo die Guards dick eingepackt in grauen Wintermänteln Ihre Majestät schützen, zum Big Ben. Wäre besseres Wetter gewesen, wäre ich gerne an der Themse entlang gelaufen und hätte meine Digitalkamera auf so manches Motiv angesetzt, doch einfach keine Lust dazu.
Mit der Circle Line fahre ich zum Tower, um hier auf die Dockland Lights Railway zu wechseln. In schönstem Schweizerdeutsch erfahre ich alles über die gestrige Party, was nun wirklich niemanden interessiert. Als die junge Gruppe aussteigt und durch einen dauertelefonierenden Briten ersetzt wird, ändert sich zwar das Thema, aber nicht unbedingt mein Interesse dafür.
Ich wollte eigentlich die Fahrt durch die Häuserschluchten der Docklands filmen, wo in den letzten zwei Jahren wirklich einiges gebaut wurde, doch die Kamera stellt stets auf die vielen Tropfen auf der Scheibe scharf und lässt damit die Realität drum herum verschwommen erscheinen.
Doppeldeckerbusse auf der Oxford Street
Wie man in der Bildmitte erkennen kann: Noch fahren hier die alten Doppeldeckerbusse. Zwei Monate später (Dezember 2005) sollte diese Ära auf der Oxford Street zu Ende sein.
Aufgenommen am: 24.10.2005
Besser wird die Sicht zwar auch nicht, als ich mich zur Oxford Street durchkämpfe und dort einen der schönen alten Doppeldeckerbusse erwische, die demnächst ausgemustert werden sollen, aber schöner wird die Fahrt doch. Im oberen Deck ganz vorne rechts ist sogar noch etwas frei. Ich habe keine Ahnung, wohin die Linie führt. An etlichen Ecken werde ich absolut überrascht, wenn der Bus scharf abbiegt und meinen Orientierungssinn auf eine harte Probe stellt. Wir passieren Big Ben, wo ich doch eigentlich geglaubt habe, Richtung Norden unterwegs zu sein und ähnliche Gemeinheiten. Interessant ist auch die Kombination aus Linksverkehr und Einbahnstraßen. Nicht selten glaube ich, wir fahren doch auf der völlig falschen Straßenseite.
Der Fahrer sitzt direkt unter mir, völlig isoliert von den Fahrgästen. Neben ihm röhrt nur der Motor. Nicht einmal einen Innenspiegel gibt es. Die Kommunikation erfolgt einzig über Klingelzeichen. Einmal bedeutet Halt an der nächsten Haltestelle, zweimal Abfahrt bzw. Durchfahren. Einmal wird ein doppeltes Zeichen wohl auch zu Unrecht gegeben und der Bus fährt durch. Aus dem Augenwinkel kann ich noch erboste, zurückgelassene Menschen an der Haltestelle erkennen. Ja, die neuen Busse im Einmannbetrieb sind sicher praktischer, aber irgendwie fehlt denen der Charme des alten Systems. Es war zwar nie perfekt, wie der Vorfall beweist, aber es war London.
am Kaufhaus Harrods, Knightsbridge
Hier wird einem noch vom Kaufhausangestellten die Taxitür geöffnet. Übrigens: In unserer Küche hängen ähnlich grüne Gardinen wie seine Uniform.
Aufgenommen am: 24.10.2005
In Brixton versinke ich wieder in den Untergrund. Es wird höchste Zeit, zurück zum Flughafen zu fahren, nicht aber, ohne vorher noch mal kurz im Warenhaus Harrods bei Knightsbridge rein zu schneien. Die Typen in den grünen Mänteln, die aussehen, wie unsere Küchengardine, verrichten noch immer ihren Dienst und öffnen unter anderem bei vorfahrenden Taxen die Autotür.
Für mich öffnet sich nun die nächste U-Bahn Tür und am Flughafen Heathrow sehe ich mal wieder, dass meine Eile völlig umsonst gewesen ist. Im zentralen Wartebereich werden nach und nach pünktlich alle Gates angezeigt, nur mein Flieger lässt sich mal wieder unheimlich viel Zeit. Die Stunde Verspätung, mit der ich bereits London erreicht habe, bekomme ich nun auch auf den kurzen Flug nach Düsseldorf angerechnet.
In Düsseldorf angekommen, warte ich geduldig auf meinen Koffer, bis nach und nach um mich herum alle weiteren Fluggäste verschwunden sind und ich mit einem einzelnen Mann alleine auf das leere Kofferband starre, bis es anhält. Das fehlt gerade noch. Jetzt ist noch nicht mal mein Koffer angekommen. Die hatten in London doch 10 Stunden Zeit zum Umladen. Ich will mich beschweren gehen, doch hier ist niemand. Ich finde nur eine Hinweistafel, die mir verrät, dass ich vielleicht am falschen Band gewartet habe...