2004 Städte im Osten der USA

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auf der Suche nach dem großen Weihnachtsbaum

29.11.2004 Ankunft des Capitol Limited in Washington D.C., Weißes Haus, The Mall, div. Memorials

Ich bin erstaunt, dass ich in einem Zug so gut schlafen kann. Habe es auf immerhin 7 Stunden gebracht. Aber noch habe ich keine Lust „aufzustehen“. Ich baue mir lieber aus den beiden Kissen den runtergeklappten Sessel nach und setze mich aufrecht ins Bett. Verträumt genieße ich den anbrechenden Tag. Die Sonne ist zwar hinter den Bergen noch nicht zu sehen, doch der tiefrot gefärbte Himmel kündigt Großartiges an.
Hinter Connellsville folgt der Zug dem Tal des Youghiogheny River. Fern abseits jeglicher Zivilisation erklimmen wir so die Appalachen. Als das Tal breiter wird, fliegt die erste Ortschaft des Tages am Fenster vorbei: Mayersdale. Noch sind wir also in Pennsylvania. Windräder auf den Bergen erzeugen nicht nur Strom, sondern bilden einen schönen Kontrast vor dem himmlisch roten Horizont. Vorbei an Weizenfeldern führt uns die Fahrt von Kaff zu Kaff.

Als die Sonne endgültig über die Bergrücken geklettert ist und der Himmel seine Morgenröte verloren hat, bestelle ich John zu meinem Abteil. Er soll mein Bett aufräumen, während ich frühstücken gehe.
Wir erreichen Cumberland und damit Maryland, als ich beim Joghurt angelangt bin. Das Frühstück war reichlich und es macht Spaß, à la carte zu essen ohne auf den Preis achten zu müssen. Im Schlafwagenpreis sind bereits alle Mahlzeiten inklusive.
Meine Mitreisenden fangen an, die Kirchen in Cumberland zu zählen. Muss ich etwas über diesen Ort wissen? Ist es so ungewöhnlich, dass man bei dieser Zählung auf ein zweistelliges Ergebnis kommt? Bevor ich nachfragen kann, setzt sich unser Zug zwischen zwei Güterzügen und beendet damit das Thema Kirchenzählen.

Ich bin gerade rechtzeitig zurück im Abteil, um die Ortsdurchfahrt von Wordmont mitzubekommen. Wie, ihr kennt Wordmont nicht? Ich kann nur sagen, da habt ihr drei schöne Häuschen verpasst. Der Ort ist noch nicht einmal über Google zu finden.
Martinsburg, West Virginia Aufgenommen am: 29.11.2004 Martinsburg, West VirginiaDie Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Wiesen, kahle Bäume, Steilhänge, blank liegende Schieferbrocken, Wasserfälle, in der Sonne glänzende Straßen, auf denen einsam ein Pickup mit einer Milchkanne beladen zum nächsten Hof fährt, schief stehende Holzmasten, ab und an das Tuten der Lok, wenn wir einen Bahnübergang überqueren – ich nenne dieses Bild einfach mal Indian Winter. Passt irgendwie.
Auch die Bahnhöfe sind hier nicht mit besonderem Komfort ausgestattet. In Martinsburg ist der Bahnsteig sogar so kurz, dass der Zug zweimal halten muss, damit einmal der vordere und einmal der hintere Zugteil vor dem Bahnhof zum Stehen kommt. Das Tritthöckerchen wird dabei auch gerne mal direkt aufs Schotter gestellt, wenn einem der Bahnsteig ausgeht.
Hinter der Station Harpers Ferry überqueren wir den Potomac und können auf ein Dreiländereck blicken: Wir verlassen gerade West Virginia, fahren hinüber nach Maryland und hinter dem Hügel, um den sich der Potomac winden muss, liegt Virginia.
Bereits gestern sind wir verspätet aus Chicago abgefahren, weil wir noch auf Fahrgäste aus einem Anschlusszug warten mussten. Heute früh hatten wir fast eine Stunde Verspätung angesammelt, was für Amtrak und die bereits zurückgelegte Strecke eigentlich gar nichts ist.
Noch besser wird es aber, als wir in Rockville einfahren. Über Lautsprecher entschuldigt sich der Zugchef, dass wir 15 Minuten zu früh dran sind.
Vor Washington verlieren wir leider wieder etwas Zeit und kommen letztendlich pünktlich am Endbahnhof zum Stehen. Glaubt mir: Exakt, als mein Sekundenzeiger auf die volle Minute um 12:25 springt, bleibt der Zug stehen. So pünktlich müsste mal die Deutsche Bahn sein!

Das Weiße Haus Aufgenommen am: 29.11.2004 Das Weiße HausKurz im Hotel vorbeigeschaut und schon bin ich auf dem Weg zum weißen Haus, dem wohl bekanntesten Haus von ganz Washington, wenn nicht sogar der gesamten Welt. Und ich renne auf das erstbeste Gebäude zu und bin enttäuscht, dass es irgendwie ganz anders aussieht. In Wirklichkeit starre ich gerade die Schatzkammer an. Bestärkt wird mein Irrglaube von einer Gruppe vor dem Gebäude, die gerade gegen irgendetwas demonstriert. Ich nehme einmal an, hier demonstriert immer irgendwer gegen irgendetwas.
Ein Stück weiter finde ich dann wirklich das Häuschen des Präsidenten. Im Garten wird gerade schwer gearbeitet, währenddessen eine Handvoll Touristen versucht, ein möglichst gutes Bild durch den Zaun zu schießen. Ihr kennt doch sicher das Problem, dass einem ständig jemand durchs Bild läuft, andererseits man aber auch darauf achtet, selber niemanden durchs Bild zu laufen. Vor diesem Problem stehen gerade auch die Arbeiter im Garten. Irgendwann geben sie es aber auf, den Fotographen auszuweichen.
Auf der Südseite des Weißen Hauses ist es seltsamerweise ruhiger, obwohl dies eigentlich die schönere Seite ist. Ich kann es zwar nicht mit Gewissheit sagen, aber ich schätze mal, diese Seite ist „vorne“. Ich stehe direkt am Zaun, den das Grundstück umgibt. Hinter mir liegt eine abgesperrte Straße, auf der nur privilegierte Fahrzeuge zugelassen sind, die man aber auf gekennzeichneten Überwegen kreuzen darf. Auf der anderen Straßenseite steht eine Gruppe Japaner, die leicht sauer ist, dass ständig Leute vor dem Zaun ihnen im Blickfeld stehen bleiben. Ich frage mich nur, warum kommen sie nicht einfach rüber? Ich habe auch keinen besonderen Passierschein, sondern einfach nur durch ein glückliches Händchen gleich den richtigen Weg gefunden.

Capitol in Washington DC Aufgenommen am: 29.11.2004 Capitol in Washington DCEs geht weiter durch die Straßen von Washington. Die ganze Stadt scheint wirklich eine einzige Baustelle zu sein. Eine Menge Gehwege sind gesperrt, so dass man viel Zeit damit verbringt, ständig die Straßenseite zu wechseln. Und was noch auffällt: Es ist eine Stadt der Offiziellen, wichtigen und misstrauischen Leute. Praktisch jeder zweite trägt eine ID-Karte.

Vom Capitol, am Washington Monument vorbei bis zum Lincoln Memorial erstreckt sich die Washington Mall, eine riesige Grünanlage mitten in der Stadt. Man kommt ja mit gewissen Vorstellungen hierher, wie etwas aussehen könnte, was einem erwartet usw. Meist stimmen diese Vorstellungen aber nicht mit der Realität überein, so auch bei der Mall. Ich habe sie mir irgendwie breiter, dafür aber kürzer vorgestellt. Und ich dachte eher an eine gepflegte Parkanlage mit Blumen, Büschen und versteckten Wegen. Statt dessen finde ich eine große Rasenfläche vor, die nur von Gedenkstätten und Brunnen unterbrochen wird.
Washington Monument Aufgenommen wurde dieses Foto während der Abendsonne vom Lincoln Memorial. Aufgenommen am: 29.11.2004 Washington Monument Vom Capitol nehme ich ein paar Stationen die U-Bahn und komme in der Nähe des Washington Monument wieder ans Tageslicht. Da man über die Mall so weit blicken kann, sehe ich noch immer das Capitol. So weit sieht die Strecke bis dahin gar nicht aus, so dass ich mich frage, ob sich die Fahrt überhaupt gelohnt hat, denn vom Capitol musste ich noch einige Blocks bis zur U-Bahn laufen.

Das Washington Monument ist natürlich auch geschlossen, genauso wie das FBI-Gebäude und das Capitol. Wenigstens wusste ich das schon vor meinem Besuch aus dem Internet, so dass sich die Enttäuschung in Grenzen hält. Andererseits auch ein Vorteil, dass ich mich nirgendwo anstellen muss.
World War II Memorial Das World War II Memorial zwischen Washington Monument und dem Reflecting Pool in der Washington Mall. Aufgenommen am: 29.11.2004 World War II MemorialWestlich des Washington Monuments liegt das Second World War Memorial, eine schöne Säulenkonstruktion, in deren Mitte Springbrunnen Wasser in den abendlichen Himmel spritzen. Eine Menge Busse halten in der Nähe und ein regelrechtes Blitzlichtgewitter geht auf die Mall nieder.
Das Washington Monument wird von der tief stehenden Sonne angestrahlt und spiegelt sich malerisch schön im Reflecting Pool, der seinem Namen heute alle Ehre macht. Flugzeuge starten auf der anderen Seite des Potomac und bilden einen dunklen Kontrast zum rötlich scheinenden Himmel, als ich das Lincoln Memorial erreiche. Der ehemalige Präsident überblickt auf einem hohen Thron am Ende einer schier endlosen Treppe die komplette Mall bis zum Capitol, dass sich teilweise hinter dem Washington Monument versteckt.

Auf dem Weg zum Roosevelt Memorial wird es dunkel. Die Sonne strahlt die Wolken noch von unten an, während der Himmel seine Farbe in verschiedenen Blautönen wechselt.
samen Insel gefunden hätte. Mir gefällt das Roosevelt Memorial am besten, da es ganz anders als die anderen Memorials nicht so sehr protzt, sondern mit seinen zahlreichen Wasserfällen schon richtig idyllisch wirkt.

Lincoln Memorial hinter dem Reflecting Pool Aufgenommen am: 29.11.2004 Lincoln Memorial hinter dem Reflecting Pool Die Lichter der Stadt erwachen zum Leben. In der eintretenden Dunkelheit wirkt das verlassene Roosevelt Memorial irgendwie geheimnisvoll, so als ob ich einen Schatz auf einer ein An den Säulen des Jefferson Memorial vorbei mache ich die Runde komplett und lande wieder am Second World War Memorial, dass nun einsam vor mir liegt. Die Busse haben längst alle Besucher in warme Hotels zurückgebracht. Nur ich bin noch übrig, die kunstvoll beleuchtete Szenerie zu genießen. Der Wind weht zwar ziemlich kalt, aber nicht so eisig wie in Chicago.
Auch am Lincoln Memorial das gleiche Spielchen. Vor zwei Stunden konnte man es kaum vermeiden, irgendwem vor der Kameralinse zu laufen, und nun könnte man nicht mal ein Bild von sich machen lassen, selbst wenn man es wünschte. Es ist niemand mehr da. Was doch zwei Stunden ausmachen können.

Übernachtung: Renaissance Washington DC Hotel - Washington, DCBewertung: Gut! Bewertungsnote 2
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