

Wir verlassen die Einsamkeit und Abgeschiedenheit des Mesa Verde Nationalparks und fahren auf der US-160 hinein in das Eisenbahnstädtchen Durango, Colorado. In der Altstadt sind alle Parkplätze durch Parkuhren kostenpflichtig, doch fährt man einen Block weiter und mutet sich dann 5 Minuten Fußweg zu, kann man umsonst parken.
Museum der Durango & Silverton NGRR in Durango
Aufgenommen am: 19.09.2002
Wir trennen uns und ich sehe mich ein wenig am Bahnhof der Durango und Silverton Narrow Gauge Railroad um. Alle planmäßigen Züge haben den Bahnhof bereits verlassen. Die Warteräume sind leer, wie auch die Souvenirläden. Ein einsamer Kassenschalter ist noch geöffnet. Man könnte sich leicht ein paar Jahrzehnte zurückdenken und sich vorstellen, man wäre irgendwo in einer Kleinstadt, wo der wöchentlich verkehrende Zug gerade die Stadt wieder verlassen hat.
Im benachbarten Museum ist die Situation ähnlich. Außer mir ist nur ein weiterer Gast an der Vergangenheit interessiert. Auch hier fühlt man sich gleich ein paar Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Man meint, noch die Stimmen auf dem Bahnsteig zu hören, als der Zug pfeifend einfährt. Der Kalender am Fahrkartenschalter zeigt April 1914, der Gepäckwagen steht zum Umladen bereit. Die große Wanduhr geht auf 12 Uhr zu, als die große Lok zum Stehen kommt. Doch es sind nur Impressionen. Obwohl ich diese Zeit nicht miterlebt habe, so kann ich es mir doch lebhaft vorstellen und irgendetwas in diesem Raum hilft mir dabei.
Die erste Besichtigung von Durango schließe ich mit einem Rundgang durch den Ort ab. Wir verlassen den Ort Richtung Norden auf der US-550, der auch Million Dollar Highway genannt wird. Legenden nach soll die Gegend einmal so reich gewesen sein, dass man selbst Gold in den Straßenbelag eingearbeitet hat. Andere wiederum behaupten, man wolle nur die unvergleichbare Landschaft würdigen. Letzteres mag auf jeden Fall zutreffen, denn die Straße über zwei hohe Pässe zählt wirklich zu den schönsten.
Im Hintergrund liegen schneebedeckte Berge, die man immer im Blickfeld behält, egal, in welche Richtung eine Kurve durch die herbstlich gefärbten Wälder führt. Es geht vorbei an malerischen, ruhigen Bergseen, die außer einer kleinen Hütte praktisch abseits der Zivilisation liegen. Dann taucht wieder immergrüner Nadelwald auf, bevor es durch eine weitere Passage eines herbstlich gefärbten, bunten Laubwaldes geht. Die Landschaften wechseln schnell und haben alle ihren Reiz.
Einfahrt zur Old Hundred Gold Mine, Silverton
Die Mine kann besichtigt werden.
Aufgenommen am: 19.09.2002
Letztendlich liegt Silverton in einem Talkessel direkt zu unseren Füßen. Wir durchqueren das Örtchen auf der einzigen asphaltierten Straße und fahren in die etwas abseits gelegenen Bergwelt zur Old Hundred Gold Mine, einer authentischen Goldmiene, die zwar vor langer Zeit schon erschöpft ist, aber nun täglich im Sommer besichtigt werden kann.
Als wir eintreffen, startet gerade eine Tour in den dunklen Untergrund. Mit einer alten Lorenbahn geht es tief in den Berg hinein und dabei ganz leicht bergauf. Das hatte den Vorteil, dass man die schwerbeladenen Loren leichter aus der Miene schieben konnte.
Untertage in der Old Hundred Gold Mine, Silverton
Aufgenommen am: 19.09.2002
Im Innern erwarten uns hell erleuchtete Gänge. Das war nicht immer so. Am Anfang trug noch jeder Arbeiter eine Kerze auf seinem Helm, ehe sich die Elektrizität durchsetzte. Überhaupt hat die fortgeschrittene Entwicklung auch die schwere Arbeit des Bergmanns vereinfacht, wie man uns eindrucksvoll und sehr anschaulich demonstriert. Unser Gruppenführer führt uns sowohl Geräte aus der alten Zeit wie auch neuere Modelle vor.
Schächte wurden zuerst mühsam mit der Spitzhacke angelegt, bevor Bohrer und Dynamit sie ablösten. Oder die Loren: Zuerst wurden sie mit einer einfachen Schaufel gefüllt und mit Eseln bewegt, bevor auch hier die dieselbetriebenen Maschinen ihren Platz einnahmen.
Als wir wieder das Tageslicht erblicken, ist es nun an der Zeit, selbst einmal nach Gold zu schürfen, was gar nicht so einfach ist. In den aufgestellten Becken hat man absichtlich kleinere Mengen Gold und Silber versteckt, damit die Touristen auch wirklich etwas finden und stolz heimkehren können, doch ich stelle mir gerade das Leben der hoffnungsvollen Goldschürfer vor, die nicht die blasseste Ahnung hatten, ob in dem Fluss, in dem sie Gold vermuteten, überhaupt welches enthalten war.
Silverton
Greene Street über den Cement Creek
Aufgenommen am: 19.09.2002
Zurück in Silverton nutzen wir die Zeit, uns ein wenig umzusehen. Der letzte Zug heim nach Durango hat die Kleinstadt bereits verlassen, so dass ihr praktisch jedes Leben fehlt. Geschäfte werden geschlossen und die Straßen leeren sich. Auf der Hauptstraße gibt es einen kleinen Laden, wo ein Modellzug innen und außen seine Runden dreht, doch genau in dem Moment, wo ich ihn filmen möchte, stellt er seine Fahrt ein. Die Verkäuferin sieht mich aus den Augenwinkeln und kommt aus ihrem Laden. Sie fragt, ob ich den kleinen Zug filmen möchte und schickt ihn extra für mich auf ein paar weitere Runden. Wir kommen ins Gespräch. Im Innern des Ladens fallen mir die Modelle der Waggons der Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad auf, die es hier günstiger als im Bahnhof von Durango gibt. Ihr fehlen leider nur die Loks, sagt sie, doch innerhalb der nächsten Woche sollen welche geliefert werden. In genau einer Woche werde ich wieder kommen, verspreche ich ihr, und wenn sie dann welche hat, wird sie eine für mich zurücklegen.
Wir setzen unsere Fahrt auf der US-550 über den Red Mountain Pass fort. Drei steile Gebirgspässe sind nun mühelos an einem Tag bewältigt. Ich bin froh, dass wir uns für einen größeren Wagen entschlossen haben. Dieser hat wenigstens auch genug Kraft, vollbeladen mit 60 mph über die Pässe zu fahren.
Am Abend im Hotel in Montrose lassen wir den Tag nach einem Besuch im Supermarkt im hoteleigenen Innenpool ausklingen.