2002 Südwesten der USA

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19.09. > Durango - Silverton - Montrose 20.09. > Black Canyon - Vail 21.09. Wandern in und um Vail 22.09. > Rocky Mountain 23.09. > Denver - Colorado Springs 24.09. Royal Gorge - Cripple Creek 25.09. Great Sand D. - Durango 26.09. Durango & S. NGRR 27.09. > Natural Br - Monument V. 28.09. > Page 29.09. Antelope C, Rainbow Bridge 30.09. > Grand Canyon 01.10. Grand Canyon West Airport 02.10. > Route 66 - Phoenix 03.10. > Joshua Tree - Palm Springs 04.10. > Legoland - Los Angeles 05.10. Hollywood & Abflug Fazit

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5 Wochen Südwesten: Wandern und genießen

01.10.2002 Irrfahrt zum Grand Canyon West Airport via Route 66 (787 km / 489 Meilen)

Was hatte ich doch gestern noch einmal gesagt? Wie muss der Blick aus dem Grand Canyon heraus nach oben sein? Genau das wollen wir heute einmal erfahren. Ich wollte uns etwas unvergleichbares, etwas unvergessliches bieten, doch am Ende des Tages werden wir uns wünschen, dieses Projekt niemals in Angriff genommen zu haben, obwohl es beide Kriterien erfüllen wird: unvergleichbar und unvergesslich, nur leider nicht unbedingt im positiven Sinne. Schicksal nehme deinen Lauf.

Ich habe gestern bereits bei Papillon angerufen und den bereits bezahlten Flug bestätigt. Da ich an der Telefonzelle unterwegs aber keine Karte zur Hand hatte, habe ich die Bedeutung der folgenden Worte noch nicht recht begreifen können: Es handelt sich um den Grand Canyon West Airport am Ende der Straße, die durch Dolan Springs führt und wir werden dort um 11 Uhr erwartet.
Ein Blick auf die Karte sagt uns, der Abzweig nach Dolan Springs liegt gut 3 Autostunden von hier entfernt. Es ist nun halb sieben Uhr morgens. Da ich keinen Mitarbeiter von Papillon so früh erreichen kann, wir aber jede Minute benötigen, um dorthin zu gelangen, fahren wir einfach mal los. Erreiche ich vor Kingman noch jemanden, haben wir noch genügend Zeit, um wieder umzudrehen.
Um 9 Uhr erreiche ich tatsächlich jemanden. Dolan Springs hinter Kingman? Ja, genau richtig. Und dann rechts abbiegen auf die Diamond Bar Road oder Indian Highway #1, das ist dieselbe Straße. Da ich dort auf meiner Karte aber keinen Flughafen finden kann, frage ich sicherheitshalber noch einmal nach. Alles, was ich zu hören bekomme, ist, dass Diamond Bar Road und Indian Highway #1 dieselbe Straße ist. Ich werde diese Stimme meinen Lebtag nicht vergessen und auch nicht diese Worte.

Abzweig zur Diamond Bar Road oder Indian Highway #1 An dieser Ecke verlässt man endlich die Zivilisation. Kaum zu glauben, dass am Ende dieser Straße ein Flughafen liegt. Und laut div. Busfahrern ist dies der beste Zufahrtsweg. Aufgenommen am: 01.10.2002 Abzweig zur Diamond Bar Road oder Indian Highway #1Hinter Kingman verlassen wir die Interstate und kommen auch auf der gut ausgebauten US-93 gut voran, die zum Hoover Dam führt. Wir sind inzwischen schon näher an Las Vegas als an unserem Gepäck am Grand Canyon South Rim.
Dolan Springs ist eigentlich nichts weiter als eine Ansammlung von mehr oder weniger heruntergekommenen Trailer Homes. Das Land ringsherum ist vertrocknet, dürr, ausgestorben. Die Straße wird auch zunehmend enger und einsamer. Wüssten wir nicht, wonach wir suchen, so könnte man glatt am Abzweig vorbei fahren. Diamond Bar Road oder Indian Highway #1, wie er glaube ich auch genannt wird, ist nichts anderes als eine 18 Meilen lange Staubstraße zwischen Joshua Trees hindurch ins Nirgendwo. Und da soll ein Flughafen liegen?
Diamond Bar Road oder Indian Highway #1 Die Landschaft entlang der Diamond Bar Road ist nicht einmal so schlecht, doch wir waren etwas sauer aufgrund einer 10-stündigen Irrfahrt. Aufgenommen am: 01.10.2002 Diamond Bar Road oder Indian Highway #1Selbst bei sehr vorsichtiger Fahrt scheppert es ganz schön, wenn wir die Schlaglöcher richtig gut treffen. Und die quer verlaufenden kleinen Buckel fühlen sich auch nicht gerade gut an. Es wird 11 Uhr, als wir ein Hinweisschild erreichen, auf dem noch einmal 10 Meilen kurvige Streckenführung angekündigt wird, dass heißt, wir haben nicht einmal die Hälfte geschafft.
Ob das hier überhaupt richtig ist?

Immer noch kein Hinweis, ob wir am Ende der Straße einen Flughafen sehen werden. Ich erinnere mich noch, dass man mit einem Mietwagen ja eigentlich gar keine Schotterstraßen befahren darf. Das ist doch ein glatter Widerspruch. Wie kann man dann eine Tour zum West Airport anbieten, wenn es keine legale Chance gibt, ihn zu erreichen?
Langsam werde ich etwas ungeduldig und ein wenig sauer. Wir vertrödeln den ganzen Tag mit der Anfahrt zum Flughafen. Und außerdem müssen wir die ganze Strecke ja noch einmal zurück. Hoffentlich lohnt es sich wenigstens.
Gegen halb zwölf stoßen wir wieder auf ein Stück asphaltierter Straße, so dass es ein wenig schneller vorangeht, bis wir tatsächlich am Ende der Straße vor einem Flughafen staunend ankommen, vor dem sogar Busse geparkt stehen. Neugierig fragen wir die Fahrer, wie sie denn hierher gekommen sind. Antwort: Über dieselbe unmögliche Straße.

Grand Canyon West Airport Ein sehr abenteuerlicher Tag, wo wir 10 Stunden Autofahrt in Kauf genommen haben, um 10 Minuten mit dem Helikopter fliegen zu können. Aufgenommen am: 01.10.2002 Grand Canyon West AirportWir sind zwar spät dran, aber wir bekommen trotzdem etwas für unser Geld. Wir müssten halt nur ein wenig warten. Im Büro des Flughafenchefs werden uns die Sicherheitsmaßnahmen erklärt, während im Hintergrund in Baseballspiel im Fernsehen übertragen wird, zu dem der Chef häufiger als zu uns hinsieht. Sehr vertrauenerweckend.

Der große Moment ist gekommen, dass wir den Hubschrauber besteigen und nach gut 5 Minuten auf dem Grund des Grand Canyon landen, wo bereits die nächsten Gäste auf den Flug nach oben warten.
Colorado River im Grand Canyon Wir befinden uns nach langer Irrfahrt im westlichsten Teil des Grand Canyon NP auf dessen Grund, wo der Canyon nicht mehr richtig nach Grand Canyon aussieht. Aufgenommen am: 01.10.2002 Colorado River im Grand CanyonNaja, irgendwie hat diese Landschaft nicht mehr viel mit dem Grand Canyon gemein. Es fehlen einfach typische Merkmale. Ich empfinde die umliegenden Wände als nicht gerade hoch und auch das Flusstal ist relativ breit. Außerdem fehlen typische Merkmale wie die alten Mäander hoch über dem heutigen Flussbett oder die verschieden farbigen Gesteinsschichten. Nur der Colorado ist vorhanden. Als ich mich ihm auf dem einzigen vorhandenen Pfad nähern will, wird mir von hinten zugerufen, ich solle nicht so weit weggehen, damit der nächste Hubschrauber nicht so lange auf uns warten muss. Das ist doch die Höhe. Wofür sind wir denn hier heruntergekommen?

Noch ehe ich mir Gedanken machen kann, landet auch schon der nächste Helikopter, aus dem die nächsten Personen entsteigen und der uns in weniger als 7 Minuten wieder nach oben bringt, wo wiederum die nächsten Passagiere warten. Man wird hier regelrecht abgefertigt. Da geht es meinem Gepäck auf einem Transkontinentalflug ja noch besser.

5 Stunden Anfahrt für 10 Minuten auf dem Grund einer Schlucht auf den Rückflug warten. Ich bin sehr enttäuscht und sauer, doch ich möchte Manfred seinen ersten Helikopterflug nicht vermiesen und halte mich daher ein wenig zurück. Als wir wieder im Auto sitzen, platzt es dann aber doch irgendwann aus mir heraus, dass ich total unglücklich mit der Situation bin und mich abgezockt fühle. Die 18 Meilen Schotterstraße sind auf einmal gar nicht mehr lang. Wir reden uns unseren Frust von der Seele. Hätten wir das vorher geahnt, hätten wir die Gutscheine verfallen lassen und wären ein Stück in den Canyon hinabgewandert. Dann hätten wir echt mehr von dem Tag gehabt. Wir müssen jetzt lernen, diesen Patzer schnell zu vergessen und den Rest des Urlaubs möglichst ausgiebig zu genießen.

Historic Route 66 Aufgenommen am: 02.10.2002 Historic Route 66Einen Anfang machen wir damit, ab Kingman über einen Teil der berühmten und viel umschwärmten Route 66 zu fahren. Wir treffen viele Motorradfahrer und einen Haufen kitschiger Andenkenläden, die den Mythos der Straße nachahmen wollen.
Neben uns überholt uns gerade ein Güterzug, der auf der Trasse um die Orte herum sein Tempo nicht drosseln muss, doch beim nächsten Anstieg haben wir wieder die Nase vorn. Ich bitte Manfred, am nächsten Bahnübergang anzuhalten. Ich stelle mein Stativ mit Kamera auf und warte, was da gleich kommt. Immerhin weiß ich ja, dass sich da gleich etwas tun müsste.
Bahnübergang an der Route 66 Wir fuhren einige Zeit neben diesen Zug her und so war es ein leichtes, ihn am nächsten Bahnübergang abzupassen. Aufgenommen am: 01.10.2002 Bahnübergang an der Route 66Hofhunde streunen umher und da endlich, ertönt dieser eindringliche Glockenschlag und die Schranken werden geschlossen. Laut hupend nähert sich der Zug. Wer an einem amerikanischen Bahnübergang umkommt, muss eigentlich selbst schuld sein. Bei soviel Radau räumt man doch freiwillig das Feld.
5 Loks und dann 124 Waggons mit 4 weiteren Loks dazwischen verteilt passieren den Bahnübergang, bevor sich die Schranken wieder öffnen und im kleinen Örtchen wieder Ruhe einkehrt.
Es ist schon spät. Wir haben bereits 10 Stunden abwechselnd hinter dem Steuer verbracht, als wir in Seligman anhalten und einen traumhaften Sonnenuntergang genießen können.

Abends im Grand Canyon Village lege ich mich noch nicht direkt schlafen. Auch wenn man keine Hand mehr vor Augen sieht, ziehe ich noch ein wenig umher und sehe hinab in die Schlucht, in der man eh nichts mehr erkennen kann. Auch das El Tovar Hotel, das ich schon aus diversen Spielfilmen kenne, sehe ich mir einmal näher an. In der Lobby sitzt eine kleine Gruppe gerade beim Abendklatsch und im Kamin knistert ein Feuer. Es herrscht eine romantische Stimmung nach einer langen, harten Wanderung, die ich nun vermisse.

Übernachtung: Maswik Lodge South - Grand Canyon Village, AZBewertung: Gut! Bewertungsnote 2
Kommentar: kostengünstig in Laufweite vom South Rim wohnen
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