2002 Südwesten der USA

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Tagesberichte:

19.09. > Durango - Silverton - Montrose 20.09. > Black Canyon - Vail 21.09. Wandern in und um Vail 22.09. > Rocky Mountain 23.09. > Denver - Colorado Springs 24.09. Royal Gorge - Cripple Creek 25.09. Great Sand D. - Durango 26.09. Durango & S. NGRR 27.09. > Natural Br - Monument V. 28.09. > Page 29.09. Antelope C, Rainbow Bridge 30.09. > Grand Canyon 01.10. Grand Canyon West Airport 02.10. > Route 66 - Phoenix 03.10. > Joshua Tree - Palm Springs 04.10. > Legoland - Los Angeles 05.10. Hollywood & Abflug Fazit

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5 Wochen Südwesten: Wandern und genießen

23.09.2002 Loveland - Denver - Pikes Peak Cog Railway - Colorado Springs (238 km / 148 Meilen)

Unser Hotel liegt direkt an der Autobahnauffahrt der I-25 nach Denver und genau so sieht auch der Frühstücksraum aus: Wie ein Roadhouse, wo Trucker ihre Tasse Kaffee zu sich nehmen. In den Polstern der Sessel, die wie Abteile in einem Zug die Wand entlang aufgebaut sind, versinkt man regelrecht. Das Frühstück hat keinen besonderen Preis verdient, macht aber satt fürs erste.
Der Tag wird heute leider ein wenig stressig werden. Ich wollte unbedingt mit der Pikes Peak Cog Railway fahren, einer Zahnradbahn auf den gleichnamigen Berg, doch die einzigen verfügbaren Plätze sind im Zug, der Manitou Springs zwanzig nach eins verlässt. Das heißt, wir haben für Denver nur wenige Stunden zur Verfügung, ein Umstand, der nun leider nicht mehr zu ändern ist.

State Capitol, Denver Die 15. Stufe des Westportals liegt genau eine Meile über dem Meeresspiegel, warum Denver auch 'The One Mile High City' genannt wird. Aufgenommen am: 23.09.2002 State Capitol, DenverWir fahren früh los, doch geraten mitten in den Berufsverkehr von Denver. Wir trösten uns damit, dass es hier in einer Stunde wohl auch nicht viel besser aussieht.
In Denver angekommen sehen wir uns mit dem nächsten Problem konfrontiert: Wo sollen wir parken? In der Innenstadt ist es zu teuer und dort, wo es erstmals keine Parkuhren mehr gibt, ist bereits alles belegt. Ich finde eine kleine Lücke hinter einem bereits parkenden Wagen, stehe aber mit einem Viertel des Wagens hinter dem Halteverbotsschild. Ein Passant, der gerade vorübergeht geht, sieht unseren Parkvorgang und gibt uns den gut gemeinten Rat, hier besser zu verschwinden. In einer Stunde wird wie jeden Morgen eine Streife hier ihre Runde drehen und so wie wir hier stehen, werden wir sicher ein Ticket erhalten.
Wir lassen es nicht drauf ankommen und suchen weiter. Letztendlich finden wir eine Lücke neben einer Parkuhr, die pro Viertelstunde einen Quarter verlangt bei einer Höchstparkzeit von zwei Stunden. Da der Platz erst um neun Uhr, also in einer Stunde kostenpflichtig wird, erklärt sich Manfred bereit, erst einmal ein paar Geschäfte in der näheren Umgebung abzuklappern und in einer Stunde die hungrige Parkuhr mit zwei Dollar zu füttern. Das trifft sich gut, denn viel länger können wir ja gar nicht bleiben.
Zuerst sehe ich mir das State Capitol an und zähle die Stufen, die zur Marke „One Mile Above Sea Level“ führen. Auf der 15. steht der Schriftzug, in die 18. ist eine kleine Markierung eingearbeitet.

Starbucks Coffee am Larimer Square, Denver morgens in der Altstadt von Denver Aufgenommen am: 23.09.2002 Starbucks Coffee am Larimer Square, DenverDanach fahre ich mit dem kostenlosen Pendelbus auf der 16th Straße Richtung Altstadt, genauer gesagt zum Larimer Square. Man darf nicht zuviel erwarten, wenn in Amerika etwas als Altstadt bezeichnet wird. Es ist mitnichten mit den europäischen Altstädten vergleichbar. Dennoch geht von diesem Ort ein gewisses Flair aus, und ich kann nur jedem raten, einmal früh morgens den Weg hierhin zu finden.
Beim Starbucks Coffee sitzt gerade ein älterer Mann einsam auf der Terrasse. Die alte Standuhr schlägt gerade neun. Zeit, dass die umliegenden Geschäfte öffnen. Rollläden werden hochgelassen, Türen aufgesperrt und sogar in richtiger Handarbeit der Bürgersteig vor dem Geschäft gefegt. Im Hintergrund hört man dezent klassische Musik spielen.
Schubweise fahren Autos vorbei, dann ist die Straße wieder ruhig und kann sich ihrer eigenen Welt hingeben. Die Blumenkübel an den alt scheinenden Laternen werden mit Gießkannen bewässert, Angestellte auf Fahrrädern unterwegs oder auch zu Fuß erreichen ihren Arbeitsplatz. Ein fröhliches "Guten Morgen" erfüllt die Straße mit Leben.

Molly Brown House, Denver Hier lebte Molly Brown, die den Untergang der Titanic überlebte. Aufgenommen am: 23.09.2002 Molly Brown House, DenverKurz vor elf Uhr erreiche ich wieder unseren Wagen. Die Parkuhr läuft in drei Minuten ab, doch von Manfred, der auch den einzigen Autoschlüssel bei sich hat, ist nichts zu sehen. In einem Zeitungsautomaten lese ich das Titelblatt der USA-Today. Mich wundert es in der Tat, dass die Meldung, Schröder hat am Vortag die deutschen Bundestageswahlen gewonnen, den Weg auf die Titelseite einer amerikanischen Tageszeitung gefunden hat.
Noch zwei Minuten, bis die Uhr abläuft, noch eine, abgelaufen, eine Minute drüber – ich arbeite schon an Ausreden, die ich zum Besten geben könnte, werde ich jetzt kontrolliert, doch das ist glücklicherweise nicht mehr nötig.
Bevor wir Denver verlassen, schauen wir noch kurz beim Molly Brown Haus vorbei, dass einmal der unsinkbaren Molly Brown gehörte, die 1911 den Untergang der Titanic überlebte.

Zugbegegnung am Windy Point Aufgenommen am: 23.09.2002 Zugbegegnung am Windy PointWir eilen die paar Meilen hinüber nach Manitou Springs und schaffen es noch rechtzeitig, die vorbestellten Karten am Schalter abzuholen und einmal durchzuatmen, bevor es nun in sehr große Höhen geht.
Die Plätze in der Bahn sind fest vergeben. Auf der Hinfahrt sitzen wir in Fahrtrichtung, wobei ich den Fensterplatz bekomme, um während der Fahrt ein wenig filmen zu können. Langsam setzt sich der Zug in Bewegung. In der Mitte des Doppelgelenkwagens steht eine junge Mitarbeiterin, die uns die Fahrt durch ihre humorvollen Kommentare kürzer erscheinen lässt.
Sie erzählt vom Bau der Bahn und von der Umgebung, die wir gerade durchfahren. Wir werden gebeten, auf unseren Plätzen sitzen zu bleiben. Die einzigen, die durch den Mittelgang dürfen, sind sie und der nachfolgende Zug.
Der Wald, der am Fenster vorbeifliegt, wird dünner, bis die Baumgrenze erreicht wird. Jetzt liegen nur noch große Geröllsteine neben der Strecke. In Texas ist ja bekanntlich alles größer. Nun, da kann man in Colorado mithalten: das da draußen nennen wir Schotter.

auf dem 4300 m hohen Pikes Peak Aufgenommen am: 23.09.2002 auf dem 4300 m hohen Pikes PeakAm Windy Point kommen wir zum Stehen und warten auf unseren Gegenzug. Ganz nach amerikanischer Sitte wird uns von jedem Platz zugewunken. Eine Frau schreit uns im Vorbeifahren zu, wir sollten umkehren. Am Gipfel wäre es kalt, überfüllt und windig. Wir werden sehen.
Neben der Strecke nehmen die Schneefelder zu. Der Dieselmotor röhrt in seinen letzten Zügen und wir erreichen die Bergstation. Zu weit darf der Lokführer nicht fahren: Direkt hinter den Prellböcken geht es sehr tief hinab.
Nun sind wir mit der höchsten Zahnradbahn der Welt über 2000 m höher auf den 4301 m hohen Pikes Peak gefahren. Die Luft ist gar nicht so dünn, wie ich angenommen habe. Ich kann eigentlich keinen großen Unterschied feststellen.
auf dem 4300 m hohen Pikes Peak Aufgenommen am: 23.09.2002 auf dem 4300 m hohen Pikes PeakSo voll, wie man uns prophezeit hat, ist es auch nicht, aber mit kalt und windig hatte sie eindeutig recht. Ich denke aber, die Aussicht ist es wert, einiges dafür in Kauf zu nehmen.
Richtig hohe Berge, über 3000 m hoch, liegen zu unseren Füßen. Wir sehen auf die Welt hinab. Im näheren Umkreis ist nichts mehr höher als wir. Interessant ist der Blick Richtung Osten: nach ein paar weiteren Bergen beginnt das Flachland, die Great Plains. Wie ist das möglich? Wie kann ein so hoher Berg so nah am Flachland liegen?
In der Ferne können wir Denver erkennen und direkt zu Füßen des Berges Manitou Springs, wohin wir nach knapp einer Stunde vor Kälte bibbern auch wieder zurückkehren.

Übernachtung: Quality Inn Garden of the Gods - Colorado Springs, COBewertung: guter Durchschnitt Bewertungsnote 3
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